Biografie

Neunzehnhundertdreiundachtzig. Die Endphase des Kalten Krieges. Deutschland ist ein geteiltes Land, in dem sich die Militärblöcke von NATO und Warschauer Pakt konfrontativ und unversöhnlich gegenüberstehen. Der NATO-Doppelbeschluss spaltet die Bundesrepublik in Befürworter und Friedensbewegte. Der neu gewählte Bundestag unter der Regierung von Helmut Kohl beschließt mit den Stimmen der Abgeordneten von CDU, CSU, FDP die Stationierung der atomaren Pershing-II-Raketen auf deutschem Boden. Eine große Friedensbewegung hat sich formiert. An friedlichen Massendemonstrationen beteiligen sich mehrere hunderttausend Menschen. Den Soundtrack dazu liefern alte Protestsongs und die Neue Deutsche Welle. Nenas 99 Luftballons gehen im wahrsten Sinne des Wortes „durch die Decke“.

In diese Zeit werde ich am 17. August im St.Georg-Krankenhaus in Bad Pyrmont hineingeboren, als erstes Kind meiner Eltern Heide und Burkhard Schraps. 1985 und 1989 vervollständigen meine Brüder Lennart und Gunnar die Familie. In meinem Heimatdorf spielen wir alle fünf Handball, beim TSV 05 Groß Berkel. Aber eigentlich ist die Sportart egal: Fußball, Tennis, Skifahren und Inlineskaten – die Hauptsache ist, in Bewegung zu sein. Und mit drei Jungs ist zu Hause immer Action. Die Humme hinter dem Haus meiner Eltern und der Teich im Garten wecken mein Interesse an der Biologie. Eine Zeitlang züchte ich zur Freude einiger Besucher in einem Terrarium skurril aussehende Gespenst- und Stabheuschrecken. Soziales und politisches Engagement gehören für mich von Kindesbeinen an dazu. Ich wachse in einer sozialdemokratischen Familie auf: Eltern, Tante und mein „Opi“ genannter Urgroßvater sind lokalpolitisch aktiv und tragen viel dazu bei, dass auch mein eigenes politisches Interesse geweckt wird.

Wunderbarerweise und von mir noch ziemlich unbemerkt, folgt auf den Kalten Krieg das Zeitalter der Abrüstung mit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ und der Wiedervereinigung 1990, im Jahr meiner Einschulung. Im Sommer 1990 bin ich mit meinen Eltern zum ersten Mal in Berlin. Auch wenn ich es damals noch nicht so richtig verstanden habe: Die Mauer-Bilder habe ich bis heute im Kopf und sie verursachen noch immer ein ganz besonderes Gefühl. 1992 wird die Europäische Union gegründet. Die Binnengrenzen zwischen den Staaten der Europäischen Gemeinschaft öffnen sich immer mehr.
1996 bin ich zum ersten Mal allein in Europa unterwegs. Beim Schüleraustausch nach Frankreich kommen mir in der 6.Klasse erstmals die Vorzüge der offenen Grenzen zu Gute. Das war eine echte Herausforderung und ehrlicherweise mit ein wenig Heimweh verbunden. Aber es hat meine Neugierde geweckt, viel mehr über Europa zu erfahren. Und das hat sowohl mein Studium als auch meinen Berufsweg geprägt.

Mit 16 Jahren trete ich in die SPD ein und gründe gemeinsam mit einigen Freunden die Juso-AG in meiner Heimatgemeinde Aerzen neu. Ich engagiere mich mehrere Jahre als Vorsitzender und organisiere als Jahrgangssprecher am Viktoria-Luise-Gymnasium mit Mitschülerinnen und Mitschülern den ersten Hamelner Bildungsmarathon.
Der Mannschaftssport Handball begleitet mich durchgängig. In der Jugendzeit wechsele ich von meinem Heimatverein aus Groß Berkel zum VfL Hameln. Schon als kleiner Pröks habe ich beim Bundesliga-Handball in der Rattenfängerhalle direkt am Spielfeldrand mitgefiebert, kurz nach dem Abitur bin ich auf einmal selbst Teil der Hamelner Herrenmanschaft in der 3. Liga. Später spiele ich während des Studiums in Bielefeld bei der TSG Altenhagen-Heepen und bei der HG Hamburg-Barmbek, wo der Sport das „Ankommen“ in den Studienstädten leicht macht. Auch heute greife ich bei der SG OSF Berlin, wann immer es die Zeit zulässt, noch gerne zum Ball.

2003 starte ich nach dem Abitur am Vikilu voller Elan in mein Studium der Politikwissenschaft an der Universität Bielefeld, den Master mache ich an der Universität Hamburg, mit einem Auslandssemester in Schweden an der Linné-Universitet in Växjö.
Beruflich gelingt mir der Einstieg in Brüssel: Als parlamentarischer Assistent im Europäischen Parlament. Dort habe ich auch mein privates Glück gefunden. Gemeinsam mit meiner Freundin habe ich seither an verschiedenen Orten gelebt. Den Draht in meine Heimat habe ich dabei und auch während meiner Studien- und Arbeitszeit im europäischen Ausland jedoch nie abreißen lassen. Ich pflege Kontakte und versuche, auch meine beiden Patenkinder so oft es geht zu sehen. Familie und Freundschaften sind mir wichtig. Meine besten Freunde kenne ich schon aus der Schulzeit.

Ich habe über „den heimatlichen Tellerrand des Weserberglands“ hinausgeschaut und viele Erfahrungen gesammelt. Doch wo auch immer ich lebe: Meine Wurzeln sind mir wichtig!

Mit der Bundestagswahl 2013 mache ich den Wechsel nach Berlin. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren arbeite ich nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter des niedersächsischen SPD-Abgeordneten Achim Barchmann im Deutschen Bundestag.

Am 24. September gaben mir 54.119 Wählerinnen und Wähler ihr Vertrauen und dadurch bin ich als direkt gewählter Abgeordneter in den Deutschen Bundestag gewählt worden.

Ich genieße es, dass uns Europa offensteht und wir in friedvoller Gemeinschaft leben. Deutschland kann es in der Europäischen Union aber nur dann auch weiter gut gehen, wenn es den europäischen Partnern ebenfalls gut geht. Dass es so bleibt, dafür setze ich mich mit ganzer Kraft ein.